Material Lexikon

Bernstein

Meistens wird natürlicher, nur bei Produkten mit Einschlüssen auch synthetischer, Bernstein verwendet. Bernstein besteht aus Baumharz, welches über tausende Jahre zu einer Substanz polymerisierte, die als Copal bekannt ist. Copal enthält viele lösliche Öle, die sich im Laufe der Jahre so weit verflüchtigen bis sich das Copal in Bernstein wandelt. Die Oberfläche des Bernsteins ist bereits oxidiert. Bernstein kann in vielen Farben angetroffen werden. Die verbreitetste Form ist wohl die des goldbraunen Harzes. Bernstein gilt als chemisch träge und wird weltweit als Körperschmuck eingesetzt.

Casein

Ist ein einmaliges, marmoriertes Material. Es wird aus abgewandelten Naturstoffen hergestellt. In der Natur gewinnt man es, wenn man frische Milch ein paar Tage an der Luft stehen lässt. Es sammelt sich oben Fett, darunter Molke, in der als flockige, weiße Masse geronnenes Casein schwimmt. Casein wird pulverisiert und zwischen zwei Stahlwalzen flachgerollt. Die Verarbeitung dauert sehr lange, so dauert sie Herstellung eines 16mm Plugs ca. 4 Monate und die Aushärtung weitere 3 Monate. Das Endprodukt ist chemisch träge und ein Unikat. Casein-Produkte sind mit einer Acryloberfläche überzogen.

Elfenbein

Es wird nur Mammut-Elfenbein verwendet. Das Elfenbein kommt aus den Permafrostgebieten in Nordsibiriren. Jährlich werden ca. 5 Tonnen ausgegraben. Eingestuft in eine ausgestorbene Gattung, kann zurückgebliebenes Mammut-Elfenbein als legale Ware weltweit frei verkauft werden, wenn es von der Washingtoner Artenschutzbehörde freigegeben ist. Durch die Verfügbarkeit von Mammut-Elfenbein wird der abartige Handel mit Elefanten-Elfenbein uninteressant und sollte dem bald ein Ende machen. Elfenbein ist nicht für das Tragen im Schleimhautbereich geeignet.

Glas

Glas hat den Vorteil das es von Natur keine Allergien hervorrufen kann. Es hat jedoch den Nachteil, dass es zerbrechlich ist. Einige Hersteller verwenden günstiges recycletes Altglas, bessere Hersteller nehmen hochwertiges Borosilikatglas. Das hat den Vorteil, dass die Farbgebung und Oberflächenbeschaffenheit einfach schöner ist und es nicht ganz so leicht zerbricht.

Holz

Verschiedene Holzarten werden angeboten. Meist Eben- oder eine Art von Nussholz. Sie alle zeichnen sich durch besondere Härte und eine glatte, beschichtete Oberfläche aus um für das Tragen am Körper geeignet zu sein. Holz gilt als chemisch träge. Es sorgt für eine bessere Belüftung des Stichkanals und verringert so die Geruchsbildung.

Horn

Da Hornprodukte hauptsächlich in Asien hergestellt werden, kommt hier meistens Wasserbüffelhorn zum Einsatz. Dieses Horn ist ein Abfallprodukt, kein Tier wird dafür getötet. Es wird sehr häufig für Plugs und Tunnel, auch in Kombination mit anderen Materialien wie Knochen oder Silber, verwendet. Horn gilt als chemisch träge und sorgt für eine bessere Belüftung des Stichkanals, allerdings nicht so gut wie Holz.

Niobium

Niobium ist absolut körperverträglich und hypoallergen. Es ist schwerer als Titan und auch als Stahl. Kann ebenfalls anodisiert werden, wobei schwarzes Niobium farbbeständig ist. Niobium wird kaum noch zur Schmuckherstellung verwendet. Die Vorteile von Titan (Elastizität, geringes Eigengewicht) haben es nahezu vom Markt verdrängt.

Palladium

Edelmetall, dass gut für die Herstellung von Piercingschmuck geeignet ist. Es ist wesentlich leichter als Platin, nämlich nur halb so schwer, hat eine schöne helle Farbe und ist zudem noch preisgünstiger. Verarbeitet wird in der Regel eine Legierung aus 950 Teilen Palladium und 50 Teilen Kupfer, so genanntes Edelpalladium. Produkte aus Palladium sind leider nur relativ selten im Handel zu finden.

Platin

Wird nicht in reiner Form für Schmuck verarbeitet. Zwei Legierungen kommen für die Schmuckverarbeitung in Frage: Juwelierplatin, bestehend aus 960 TeilenPlatin und 40 Teilen Kupfer oder Fasserplatin, bestehend aus 960 Teilen Platin und 40 Teilen Palladium. Letzteres ist etwas weicher und heller in der Farbe. Verarbeitet wird meistens Juwelierplatin, es ist besonders hart und somit gut geeignet. Da Platin sehr teuer ist, werden Schmuckstücke meist nur auf speziellen Wunsch gefertigt.

PMMA (Polymethylmethacrylate)

Thermoplastischer Kunststoff mit einer mikroskopisch porösen Oberfläche. Eine regelmäßige Reinigung ist erforderlich. Ist nur nach vollständiger Epithelisierung geeignet. Allergische Reaktionen sind nicht bekannt.

PTFE / PMFK

PTFE(Polytetrafluorethylen)/PMFK sind hitzebeständige und damit autoklavierbare Kunststoffe, auch bekannt unter dem Markennamen Teflon® (PTFE). An seiner antiadhäsiven Oberfläche haften keine Wundsekrete. Es ist ein sehr schlechter Wärmeleiter, somit heizt es sich unter Sonneneinstrahlung kaum auf. Es ist weich und flexibel, reibt dadurch weniger an den Wundrändern und schont Zähne und Zahnfleisch. Das Material lässt sich beliebig mit der Schere kürzen und durch aufdrehen einer Metallkugel eine Gewinde einschneiden. Studien haben ergeben, dass PTFE für ein längeres Verweilen im Körper nicht geeignet ist, da die Oberfläche im Laufe der Zeit porös wird. Der Hersteller distanziert auch von dem Gebrauch für Piercingschmuck. Besser ist PMFK. Es zeichnet sich durch die gleichen Eigenschaften aus, ist jedoch form- und oberflächenstabil. Außerdem ist es in verschiedenen Farben erhältlich.

PVD-Titan oder -Stahl

PVD (physical vapor deposition) ist eine Beschichtungstechnologie, bei der die Eigenschaften des Trägermaterials unverändert bleiben. Beim Verfahren der physikalischen Gasphasenabscheidung wird ein Ausgangsmaterial in die Gasphase (Plasma) überführt und auf ein Schmuckstück im Vakuum abgeschieden. Es bildet eine hauchdünne (5 micron), sehr haltbare Beschichtung. Die Art der Beschichtung ist, je nach Hersteller, unterschiedlich. Es gibt eine Beschichtung mit 24 Karat Gold oder Zirconium-Nitrid um eine goldene Farbe zu erzielen. Die schwarze Beschichtung wird mit Carbon erzielt. Ist das Trägermaterial Titan gibt es keine Unverträglichkeiten. Bei Stahl verhält es sich da anders. Die Beschichtung kann die Nickelabgabe nicht verhindern. Für den Ersteinsatz ist kein beschichtetes Material geeignet.

Silber

Auch Silber wird nur als Legierung für Schmuck verarbeitet. Zu den 925 Teilen Silber kommen 75 Teile Kupfer. Trotzdem gilt es als sehr weich und Gewinde neigen zu Verschleiß. Silber hat die Tendenz anzulaufen und kann unter Umständen sogar völlig schwarz werden. Dies lässt sich mittels Tauchbad und Poliertuch wieder beheben. Hochwertigere Produkte sind deshalb rhodiniert, d.h. sie sind mit einer Rhodiumschicht überzogen, die das Anlaufen verhindert. Rhodium ist, genau wie Palladium, ein Metall aus der Platingruppe. 925er Silber, auch Sterlingsilber genannt, gilt als Nickelfrei. Es gibt jedoch, wenn auch selten, Silberallergiker.

Stahl

Stahl wird durch eine nicht sichtbare, an der Oberfläche haftenden und mit Chrom angereicherten Schicht rostfrei. Basierend auf seiner Zusammensetzung wird Stahl in vier Kategorien unterteilt. Stahl der 200er Serie enthält Chrom, Nickel und Mangan. Stahl der 300er Serie enthält Chrom und Nickel. Stahl der 400er Serie enthält nur Chrom und der Stahl der 500er Serie nur noch einen ganz geringen Anteil an Chrom. Die meisten korrosionsresistenten Arten gehören zur 300er Serie und werden folglich am häufigsten für medizinische Produkte und im Piercingbereich verwendet. Allerdings ist nicht jeder Stahl der 300er Serie geeignet. Im Schmuckbereich werden der Komposition D Implantatstahl, der 316 L Chirurgenstahl und der 316 LVM Chirurgenstahl verwendet. Die Normen ASTM 138-F und ISO 5832-1 werden erfüllt. Obwohl alle Nickel enthalten, geben sie diesen nur sehr gering als Nickelsalze an den Körper ab. Dennoch sind sie für Nickel- oder Chromsensitive Personen nicht geeignet.

Titan

Titan ist ein sehr leichtes und elastisches Material, widersteht auch den aggressivsten Umwelteinflüssen und zeichnet sich durch sehr hohe Körperverträglichkeit aus. Durch Anodisieren können verschiedene, jedoch langfristig unbeständige Farben erzielt werden. Idealerweise sollte man implantatfähiges Titan Grad 23 nehmen (grade 23 surgical titanium). Dies ist zum dauerhaften Verbleib im Körper geeignet und wird auch für medizinische Implantate wie Hüftgelenke, Schrittmacher oder Herzklappen verwendet. Die genaue Bezeichnung ist Ti6AL 4V Eli. Das "Eli" steht für "Extra low interstitial" und bezeichnet eine spezielle Veredlung in der Fertigung, die für extrem wenig Verunreinigung steht. Seine Biokompabilität ist vielfach dokumentiert und international medizinisch anerkannt. Titan Ti6Al 4V Eli hat den Präfix "F" in der ASTM (F-136). Dies bedeutet, dass es den höchsten Status bei medizinischen Materialien hält. Momentan existiert keine höhere Qualifikation. In Deutschland erfüllt Ti6Al 4V Eli die Anforderungen der Norm ISO 5832-3.